Mangroven als Nahrungsgrundlage für Fischgemeinschaften in Panama

Lara Stuthmann

Masterstudierende am ISATEC (International Studies in Aquatic Tropical Ecology) der Universität Bremen, Fachbereich 2 - Biologie/Chemie
www.isatec.uni-bremen.de/en/isatec 

in Verbindung mit dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT)
www.zmt-bremen.de

sowie dem Smithonian Tropical Research Institute, Panama, und der University of Panama, Santiago de Veraguas

Mangroven sind ein wichtiger Bestandteil der Küstensysteme in tropischen Gebieten. Diese Bäume bieten wegen ihrer Toleranz gegenüber hohen Salzkonzentrationen vielen Organismen einen wichtigen Lebensraum. Auch die lokale Bevölkerung ist auf diese Pflanzen angewiesen: Das Holz wird als Brennstoff verwendet, aus den Blättern können Naturheilmittel gewonnen werden. Und die Mangroven dienen als Fischgründe. Allerdings ist ihre Rolle im Küstensystem noch nicht endgültig geklärt. Diskutiert wird z.B., ob Mangroven im Vergleich zu Seegraswiesen und Korallenriffen eine wichtige Nahrungsgrundlage für Fische sind oder ob sie vorwiegend als Schutz und Laichgebiet dienen.

Zur Klärung der Frage bietet Panama einmalige geografische Vorraussetzungen: Vor über 12 Millionen Jahren waren der Pazifik und der Atlantik verbunden. Erst durch die langsame Entstehung des "Central American Isthmus" wurden die beiden Kontinente Nord- und Südamerika verbunden und gleichzeitig die beiden Ozeane getrennt. Deshalb können heute in den geografisch nahen Küsten des Pazifik und der Karibik in Panama vollkommen andere ökologische Bedingungen vorgefunden werden: An der Pazifik Küste herrscht eine Macro-Tide (ca. 4 m) und es gibt keine Seegraswiesen oder Korallenriffe. Die Karibik hingegen wird von einer Micro-Tide (ca. 0,5 m) und der Anwesenheit von nahen Seegraswiesen und Korallenriffen geprägt. An beiden Küsten jedoch sind Mangroven zu finden.

Während ihrer Masterarbeit sammelt Lara Stuthmann monatlich Fischproben in den Mangroven an zwei repräsentativen Orten Panamas (“Bocas del Toro” in der Karibik und “Humedales del Golfo de Montijo” an der Pazifik Küste). Die Fischproben werden Aufschluss darüber geben, wie sich die Fischgemeinschaften an die unterschiedlichen Bedingungen in ihren Lebensräumen angepasst haben. Der Mageninhalt der Fische wird untersucht, um die Nahrungsgrundlage der Tiere zu erfassen. Auf Grundlage dieser Informationen werden repräsentative Nahrungsorganismen und -bestandteile aus allen Ebenen des Nahrungsnetzes gesammelt (zum Beispiel Algen, Plankton, Weichtiere, Krebse, kleinere Fische, Insekten,...). Eine Stabile Isotopen Analsyse (δ15 N und δ13 C) - d.h. quasi ein Fußabdruck - der gesammelten Nahrung und des Muskelfleisches der Fische ermöglichen es, das Nahrungsnetz in den Mangroven zu rekonstruieren und festzustellen, zu welchem Anteil die Fische die Mangroven als Nahrungsgrundlage nutzen. Das ist besonders interessant, da sie in der Karibik die Möglichkeit haben, zur Nahrungssuche in die angrenzenden Korallenriffe oder Seegraswiesen zu wandern.

Durch Forschung können neue, nachhaltigere Wege der Nutzung aufgezeigt, Ökosystem erhalten und den Menschen ihre Nahrungsgrundlage bewahrt werden. Die internationale Zusammenarbeit von Forschenden, wie sie in diesem Projekt praktiziert wird, stärkt die interkulturellen Beziehungen und die Achtsamkeit füreinander und für die Umwelt. Die KELLNER & STOLL - STIFTUNG unterstützt Lara Stuthmann deshalb mit 1.500 Euro bei ihrem Forschungsaufenthalt in Panama.