Tourismus und Seeverkehr als Ursache für die Vermehrung exotischer Arten

Christian Freudinger

Masterstudent am ISATEC (International Studies in Aquatic Tropical Ecology) der Universität Bremen, Fachbereich 2 - Biologie/Chemie
www.isatec.uni-bremen.de/en/isatec 

in Verbindung mit dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)
www.zmt-bremen.de

sowie der Charles Darwin Forschungsstation auf Santa Cruz, Galapagos

Dieses Projekt und ein weiteres auf Galapagos stehen miteinander in Zusammenhang.

Sie sehen gar nicht so gefährlich aus, die Seepocken auf dem Schiffsbug oder an den Ankerketten, können aber beachtliche Schäden anrichten, indem sie Arten aus der einen Ecke der Welt als "blinde Passagiere" in die andere transportieren, wo sie als sogenannte invasive ohne natürlich Fressfeinde rasch Ausbreitung finden und die ursprünglichen Arten verdrängen, mit großen Folgen für das Ökosystem. Auch im Ballastwasser der Schiffe finden sich solche ungewollten Mitreisenden. Invasive Arten zählen laut Weltnaturschutzorganisation IUCN zu den fünfgrößten Bedrohungen von Biodiversität, auf Galapagos sind sie bei weitem die Größte, wo der Tourismus sich vom Segen zum Fluch entwickelt.

Die Galapagos Inseln sind als UNESCO Weltnaturerbe ein Reiseziel ersten Ranges. Die großräumige Isolation führte zur Herausbildung von Artgemeinschaften, die weltweit einzigartig und deshalb stark bedroht sind.
Mehr als 200.000 Touristen besuchen die Inselgruppe inzwischen jährlich, was etwa dem achtfachen der Inselbewohnerzahl entspricht. Der logistische Aufwand, diesen Ansturm zu bewältigen, ist enorm gestiegen und wird fast ausschließlich durch den Seeverkehr bewerkstelligt. Dieser hat sich über die letzten vierzig Jahre in Bezug auf das Ladungsaufkommen verdreihundertfacht und wird ausschließlich über Ecuadors Festlandhäfen abgewickelt.
Marine invasive Arten werden vermutlich als Bestandteil von Aufwuchsgemeinschaften am Schiffsrumpf zunächst in die Haupthäfen der Insel und von dort aus durch Charterboote und Fischereifahrzeuge in den restlichen Archipel verschleppt. Dieser Umstand bedingt die paradoxe Situation, dass der steigende Tourismus sich seine eigene Grundlage entzieht. Die Lösung scheint die Begrenzung der Touristenzahl oder kluges Risikomanagement zu sein. Zu Letzterem soll das Projekt von Christian Freudinger in Form wissenschaftlich fundierter Handlungsempfehlungen gegenüber der Nationalparkverwaltung beitragen.

Die KELLNER & STOLL - STIFTUNG hält das Vorgehen von Christian Leidinger für zielführend, um Vorschläge für einen besseren Schutz des empfindlichen und einzigartigen Ökosystems zu earbeiten, und fördert das Projekt mit 1.000 Euro.