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Perspektiven eröffnen .... Nachhaltigkeit als Verpflichtung
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Korallenrestauration und Antifouling

Es klingt zunächst widersprüchlich, wenn auf der einen Seite von Korallenrestauration die Rede ist und auf der andere von Antifouling-Anstrichen, die an Schiffen die Ansiedlung von Organismen am Rumpf verhinden sollen. Korallenrestauration wird mehr und mehr zum Thema, denn die Wissenschaft hat erkannt, dass es nicht nur darum gehen kann, die Ursachen für das Korallensterben, die Bleiche, herauszufinden und genau zu beschreiben. Es muss auch darum gehen, Wege zu finden, neue Korallen anzusiedeln, die widerstandsfähiger sind und eine Chance zum Überlegen unter den Bedingungen des Klimawandels haben. Besonders kritisch ist die Phase des Anwachsens junger Korallen, die sich z. B. gegenüber Algen behaupten müssen. Lisa Röpke hat die Chance, die Erkenntnisse hierzu aus ihrer Doktorarbeit auf einer wichtigen Konferenz in den USA, Florida, vorzustellen. Die Stiftung fördert ihre Teilnahme mit 1.000 Euro.

Antragstellerin

Antifouling und Korallenrestauration - Wie geht das zusammen?Lisa Röpke, M.Sc.

Doktorandin an der Universität Bremen
und am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung

Das Foto zeigt sie bei Arbeiten in den Experimentierbecken in der Quarantänezone des Australian Institute of Marine Science (AIMS), Townsville, Queensland

Projektbeschreibung

In ihrer Doktorarbeit geht es um den Einsatz von innovativen Antifouling Beschichtungen für den potentiellen Einsatz in der Korallenriff-Restaurierung. Die Idee dahinter ist, dass die Antifouling Beschichtungen effektiv den Algenbewuchs verhindern, um den juvenilen Korallen einen Zeitvorteil in ihrem Wachstum zu schenken.

Eines der größten Probleme in den Korallenriffen, neben der Erwärmung und Versauerung der Ozeane, ist die Überdüngung und Überfischung vielerorts. Dennoch wirken sich gerade diese zwei letzteren Faktoren immens auf das Algenwachstum in den Riffen aus. Diese Algen stehen in direkter Konkurrenz mit den juvenilen Korallen. Man versucht nun, bei der Korallenlaiche die befruchteten Eier einzufangen und zu Larven heranwachsen zu lassen, die dann wieder ausgesetzt werden. Bei der Suche nach einem passenden Substrat zur Ansiedlung sind die Korallenlarven der ersten Hürde ausgesetzt. Häufig findet sich aufgrund von Algenwachstum kein freies passendes Substrat. Sollte sich doch ein geeigneter Ort finden, wird dieser oft innerhalb von kürzester Zeit von einer Alge eingenommen und die juvenile Koralle "zieht den Kürzeren" im Kampf um Raum und Sonnenlicht für die Photosynthese der einzelligen Algen, die in ihrem Gewebe leben. Mithilfe von einer antiadhäsiven Beschichtung (Silikon), einer Nanopartikel-Beschichtung (Cerium Dioxid) und einer Beschichtung mit einem in Siliziumdioxid eingebundenen Biozid (Dichlorooctylisothiazolinon; kurz DCOIT) hat Lisa Röpke mit ihrem Team gestestet, wie Algen effektiv verdrängt werden können und wie diese Beschichtungen sich auf das Ansiedlungsverhalten ("settlement") der Korallenlarven auswirken. Das Ansiedlungsverhalten ist ein erster Indikator für die potentiell nachteiligen Eigenschaften der Antifouling-Beschichtungen auf die Korallenlarven. Interessanterweise konnte Lisa Röpke zeigen, dass die Ansiedlung im Vergleich zur unbeschichteten Kontrolle nicht negativ beeinflusst wurde.

Das Foto zeigt Ansiedlungssubstrate für Korallenlarven mit und ohne Antifouling-Beschichtungen nach ca. sechs Wochen Vorkonditionierung in den Experimentierbecken.

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Die Frage der Unschädlichkeit der im Projekt gestesteten Antifouling Beschichtungen muss weiterhin an verschiedenen Organismen in unterschiedlichen Lebensstadien getestet und sichergestellt werden. Sollte dies gelingen, könnten Antifouling-Beschichtungen die Palette an Methoden zur Korallenriffrestaurierung ergänzen. Auch darüber hinaus wäre eine Anwendung dieser Beschichtungen in anderen Industriezweigen (z.B. der Schifffahrt oder Privatboot-Sektor, Aquakultur, etc.) eine potenzielle Erleichterung für die Umwelt.

Lisa Röpke stellt fest: "Vermutlich lassen sich nicht alle Korallenriffe für die Zukunft retten, aber es gibt die Möglichkeit, bestimmte lokale Riff-Areale mithilfe verschiedenster Methoden zu erhalten. Zu diesen Methoden könnte evtl. auch der Einsatz von nicht-toxischen Antifouling Beschichtungen gehören. Insofern ist das Thema relevant für den Artenschutz und Erhalt der Korallenriffe, aber auch für den Klimaschutz."

Auf der Konferenz in Florida wird die Doktorandin auf viele Menschen treffen, die mit ihr an derselben Frage arbeiten, der Korallenrestauration. Sie kann nicht nur mit einer Postpräsentation ihre Ergebnisse vorstellen, sondern so auch ihr Netzwerk erweitern und möglicherweise Finanzierungen für weitere Maßnahmen ansprechen.