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Perspektiven eröffnen .... Nachhaltigkeit als Verpflichtung
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Meerestrauben und Schnecken in Teichkulturen in Vietnam

Aquakulturen sind in vielfacher Hinsicht ein Problem für die Umwelt. In diesem Projekt nun soll untersucht werden, ob zwei begehrte Meeresdelikatessen - Schnecken (Babylonia aeorata) und Meerestrauben (Caulerpa lentillifera) - in Teichkulturen in Vietnam gemeinsam gezüchtet werden können, und zwar so, dass die Anlagen einerseits den Züchtenden einen Mehrertrag bringen und andererseits weniger Umweltprobleme verursachen.

Die Stiftung hält den Ansatz von Aaron Cordes für vielversprechend und fördert sein Projekt, das für einen Bachelorstudenten ungewöhnlich ambitioniert ist, mit 1.500 Euro.

Antragsteller

Aaron Cordes bearbeitetAaron Cordes

Bachelorstudent der Biotechnologie der marinen Ressourcen

in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung, Bremen

betreut von Lara Stuthmann, Doktorandin am ZMT

Projektbeschreibung

Die Zucht von aquatischen Organsimen hat sich über die letzten Jahre zu einem bedeutenden Zweig in der Nahrungsversorgung der Weltbevölkerung entwickelt. Groß skalierte, industrielle Anlagen stehen zwar teilweise in der Kritik, die Meere mehr zu belasten als zu deren Erholung beizutragen, dennoch bietet die Aquakultur noch unausgeschöpfte Möglichkeiten, lokal für nachhaltig produzierte Nahrung zu sorgen. Eine Option ist die Zucht von Algen zur menschlichen Ernährung.

MeerestraubeDie Grünalge Caulerpa lentillifera oder Meerestraube hat sich über die letzten Jahre als vielversprechender Kandidat für nachhaltige Aquakultur herausgestellt und gilt länderübergreifend als Delikatesse. Die Algen werden in Tiden-abhängigen Teichen (tidal-ponds) an der Küste kultiviert. Hoher Nähstoffgehalt, Vitamine, Mineralstoffe und ungesättigte Fettsäuren sowie schnelles Wachstum und ein ausgezeichneter Geschmack sorgen für steigende Nachfrage.

Die Schnecke Babylonia aerolata gilt in Südostasien als Spezialität und wurde in der Vergangenheit stark befischt. Durch ihren guten Geschmack und hohe Verkaufspreise haben sich Betriebe mittlerweile allerdings auf die Zucht der Schnecken spezialisiert. Die Schnecken werden herkömmlicherweise in Monokulturen gehalten und mit Fischabfällen gefüttert, die ansonsten entsorgt werden würden. Das durch den Stoffwechsel entstehende Nitrat gelangt einerseits ungehindert in Küstengewässer und limitiert andererseits die möglichen Besatzdichten einer solchen Zucht. In einer Co-Kultur der Schnecken mit der Alge C. lentillifera könnte das Nitrat durch Aufnahme der Algen in wertvolle Biomasse umgewandelt werden. Gleichzeitig würde das Nitrat zuverlässig aus dem Wasser entfernt werden, wodurch sich die Bedingungen für die Schnecken verbessern und weniger Nährstoffe in den Küstenregionen Schaden anrichten können.

Am ZMT Bremen wird im Projekt "SeaGrapes" in Kooperation mit dem IO in Nha Trang, Vietnam, die Biologie und Kultur des Meerestraube erforscht. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit arbeitet Aaron Cordes mit der Doktorandin Lara Stuthmann vom ZMT zusammen. Sie wollen untersuchen, ob B. aerolata in bestehende Meerestraubenteiche integriert werden kann, um bei gleichbleibender Fläche mehr wertvolle Biomasse zu züchten. Folgende Fragestellungen sollen im speziellen bearbeitet werden: (1) Beeinflusst die Co-Kultur mit B. aerolata das Wachstum und die Qualität von Meerestrauben? (2) Können die benthischen Schnecken und Meerestrauben zusammen im Sediment gehalten werden oder müssen sie lokal getrennt werden? (3) Welche Besatzdichte von Schnecken in Meerestrauben-Teiche wären wirtschaftlich ergiebig für Farmer:innen und gleichzeitig ökologisch tragbar ohne negative Auswirkungen auf die Meerestrauben?

Mit den gewonnenen Daten erhoffen sie sich einen Schritt in Richtung nachhaltiger Aquakultur, sodass diese Co-Kultur zuverlässig auch in abgelegenen Regionen etabliert werden kann.

Der Verzehr von Meeresressourcen ist in der asiatischen Kultur tief verankert. schnecke www.kleines meerwasseraquarium.deDurch intensive Landwirtschaft und Aquakultur werden die Küstengewässer mit Nährstoffen angereichert, wodurch sich Eutrophierung und toxische Algenblüten häufen. Durch Rodung der Mangrovenwälder für Aquakulturen entstehen Erosionen der Küste. Ein langfristiger Ansatz für nachhaltige Aquakultur muss daher sowohl nährstoffneutral als auch platzsparend sein. Die integrierte Zucht von C. lentillifera zusammen mit B. aerolata Schnecken bedient das Interesse nach nachhaltiger und langfristig verfügbarer Nahrung und stellt für kleine Aquakulturen, Fischereibetriebe und Bauern eine ökologisch vertretbare und lukrative alternative Einkommensquelle dar. Die Algen nehmen die durch die Schneckenzucht entstehenden Nährstoffe auf, sodass beide Organsimen voneinander profitieren können. Der Platzanspruch für die Co-Kultur vergrößert sich nicht, da die Schnecken in bestehende Ponds der Algenzucht integriert werden sollen. Durch den vergleichsweise hohen Preis der Schnecken gewinnt diese Zuchtmethode potentiell stark an ökonomischer Bedeutung und könnte helfen, die nachhaltige Zucht von Algen zu fördern.

Die Produktion von Nahrung direkt vor Ort schafft eine Perspektive für langfristige Arbeitsplätze, eine nachhaltige und gesicherte Nahrungs- und Einkommensquelle und kann lokale Wildtierbestände entlasten. Mit dem integrierten Zuchtansatz von C. lentillifera und B. aerolata, lassen sich tierische Abfälle aus Aquakulturen und Fischerei upcyclen und in einem Kreislauf mit minimalen Verlusten wiederverwerten. Im Vergleich zu großen kommerziellen Anlagen ist diese Co-Kultur mit wenig Aufwand verbunden und kann einfach und lokal installiert werden.